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Beizjagd und deren Voraussetzungen
Voraussetzungen
Die Beize bzw. Beizjagd ist wie das
Angeln oder die Jagd mit der Waffe eine vom Menschen
ausgeübte Tätigkeit Wildtiere zu erbeuten. Doch sie
unterscheidet sich wesentlich von den letztgenannten
Jagdarten, da sie als Hilfsmittel nicht unbelebte
Gegenstände, wie die Angelrute oder das Gewehr, sondern ein
lebendes Tier und zwar einen Greifvogel einsetzt, um die
körperliche Begrenztheit des Menschen auf der Jagd zu
verbessern.
Vergleichbar ist die Beizjagd von der
Idee her nur mit der früher in Indien durchgeführten
Gazellenjagd mit abgerichteten Geparden oder mit der
Fischerei in einigen Gebieten Ostasiens, wo heute noch
Kormorane oder Fischotter eingesetzt werden, um Fische zu
fangen.
Die Beizjagd verlangt deshalb mehr als
einen gesicherten Gewehrschrank oder eine feste Halterung,
in dem die „Hilfsgeräte“ für die Jagd aufbewahrt werden
können. Zur Ausübung der Beize müssen deshalb ganz spezielle
Rahmenbedingungen gegeben sein, die in der heutigen
arbeitsteiligen Gesellschaft oft nur schwer zu erreichen
sind.

Bretonen und Anwartefalken
bei der Jagd
Zu diesen Bedingungen zählen:
-
Der Falkner muss die Jäger-
und Falknerprüfung bestanden haben.
-
Der Beizvogel muss
verhalternsgerecht in einer Voliere oder an einer
Flugdrahtanlage gehalten werden können.
-
Der Beizvogel muss mit
optimaler Nahrung täglich versorgt werden (frisches
Fleisch von Tauben, Wachteln, Kaninchen, Mäusen, Ratten
etc.).
-
Der Falkner muss die
Möglichkeit haben, während der Beizsaison den Vogel
regelmäßig (drei bis viermal pro Woche) an Wild zu
bringen.
Daraus folgt,
-
dass der Falkner mehrere
Stunden pro Tag für die Beizjagd pro Saison aufbringen
muss und
-
dass der Falkner entweder
ein eigenes Jagdrevier oder einen Begehungsschein
besitzt, der es ihm ermöglicht, den Vogel regelmäßig
jagdlich einsetzen zu können. Ein tägliches nur
"Fliegenlassen" hat nichts mit Falknerei zu tun und kann
den Greifvogel als Beizvogel sogar "verderben", da
dieser lieber auf die Nahrung wartet, die ihm bei diesen
Übungen auf dem Handschuh oder Federspiel angeboten
wird, als sie selbst durch anstrengende Jagdflüge zu
erreichen.
-
Unabhängig von all diesen
Punkten ist zu bedenken, dass es sich bei einem
Greifvogel um ein sensibles Wildtier handelt, das sehr
hohe Ansprüche an eine verhaltensgerechte Haltung
stellt. Für den Falkner bedeutet dies, dass er und kein
anderer, sobald er eine derartige Kreatur in seine Obhut
nimmt, für ihr Wohlergehen verantwortlich ist.
Nur wenn all diese Bedingungen erfüllt
sind, kann letztlich die Beizjagd ausgeübt werden (
"Wie werde ich Falkner").
Beizjagd
1. Beizvögel
In der modernen Falknerei werden in
Deutschland in der Regel folgende Arten als Beizvögel
eingesetzt:
Habichtsartige (Accipitridae):
Steinadler (Aquila chrysaetus), Habichtsadler (Hieraaetus
fasciatus), Habicht (Accipiter gentilis),
Wüstenbussard (Parabuteo unicinctus) und Rotschwanzbussard (Buteo
jamaicensis). Falkenartige (Falconidae):
Wanderfalke (Falco peregrinus), Würgfalke (Falco
cherrug), Gerfalke (Falco rusticolus) und
Lannerfalke (Falco biarmicus). Darüber hinaus gibt es
noch andere Gattungen / Arten, die ausnahmsweise eingesetzt
werden, die aber in der modernen Falknerei eine
untergeordnete Rolle spielen. Da alle Arten ganz spezielle
körperliche und mentale Anpassungen an ihren Beuteerwerb
aufweisen, werden sie in der Regel entsprechend auch auf die
Tierarten eingesetzt, die ihrem angeborenen Beuteschema
entsprechen.

Beizhabicht auf der Faus
Welchen Beizvogel man als Falkner
aufstellt und dann einsetzt hängt 1. davon ab, welche
Wildarten ausreichend zur Verfügung stehen / en und 2. wie
die Landschaft strukturiert ist, um erfolgreich beizen zu
können; denn Habicht, Rotschwanzbussard, Steinadler und
Harris Hawk können in der Regel im deckungsreichen Gelände,
Falken normaler Weise in Deutschland nur in der offenen
Kulturlandschaft eingesetzt werden, wobei einige Arten auch
unter ganz speziellen Bedingungen in "allen" Lebensräumen
erfolgreich sein können.
2. Beizarten
Beizjagd mit Falken
Beizjagd ist, wie eingangs erwähnt, die
Jagd mit abgerichteten Greifvögel auf frei lebendes Wild.
Dabei wird unterschieden zwischen den Beizvögeln vom „Hohen
Flug“ (das sind alle Falken, die nur "hoch" in der Luft
jagen) und den Vögeln vom „Niederen Flug“ (das sind alle
Habichtsartigen, die "niedrig" in Bodennähe jagen). Ferner
werden nach dem Beizeinsatz die Greifvögel vom „Hohen Flug“
noch einmal unterteilt in „Anwarterfalken“ und
„Faustfalken“. Alle Falken tragen, wenn sie zur Beize
eingesetzt werden, während des Transportes, bis zum
eigentlichen Jagdflug, in der Regel eine Lederhaube, die ihn
ruhig und damit stressfrei hält.
„Anwarter“ werden auf Fasane, Rebhühner
und Enten eingesetzt. Zum Finden dieser Wildarten benötigt
man Vorstehhunde (z. B. Spezialisten wie English Setter,
English Pointer, aber auch Vollgebrauchshunde sind
einsetzbar), die durch regungsloses Stehen ("Vorstehen" )
das Wild anzeigen. Nachdem der Vorstehhund auf der Jagd das
Wild nun gefunden und durch Vorstehen angezeigt hat, wird
dem Falken, der bisher verkappt auf der Faust getragen
wurde, die Haube vom Kopf genommen. Nach kurzer Orientierung
wird er abfliegen ("abstreichen") und in Höhen bis zu 150
Meter und mehr steigen, wo er dann hoch am Himmel über dem
Falkner und Hund kreisend darauf wartet, "anwartet", dass
ihm das Wild (in der Regel Fasane oder Rebhühner) vom
Falkner, in Zusammenarbeit mit dem Jagdhund, hoch gemacht,
„gehoben“, wird. Der Falke wird, sobald er das fliegende
Wild sieht, in einem „Steilstoß“, bei dem Wanderfalken bis
zu 200 km/h und mehr erreichen können, das Beutetier
verfolgen und nach Möglichkeit greifen, fangen. Nicht selten
entkommt die Beute aber durch geschicktes Ausweichen oder
Erreichen einer schützenden Deckung.

Wanderfalke schlägt Fasan
„Faustfalken“ dagegen jagen nach dem
Entkappen ihre Beutetiere (Elstern, Rabenkrähen, Lach- und
Silbermöwen) direkt vom Handschuh des Falkners. Für diese
Beizart sucht der Falkner feldernde Krähen- oder
Möwenschwärme und lässt den Falken frei, nachdem er ihm die
Haube abgenommen und das Wild quasi gezeigt hat. Je nach
Situation "wirft" er auch den Falken, um ihn zu direktem
Anflug zu animieren. Die Falken versuchen dann die sofort
vor ihm fliehenden Krähen oder Möwen zu übersteigen und
durch Steilstöße in der Luft zu greifen.

Juv. Wanderfalke auf Rabenkrähe
Oft sind mehreren
Angriffe nötig, um letztlich erfolgt zu haben, wenn die
Beutetiere nicht vorher eine schützende Hecke (Krähen) oder
ein Gewässer (Möwen) erreicht haben. Falken töten ihre
Beutetiere durch einen gezielten "Nackenbiss", wodurch die
Halswirbel durchtrennt werden und der Tod des Beutetieres
sofort eintrifft. Greifvögel apportieren ihre Beute nicht,
sondern der Falkner muss seinem Vogel nach einem
erfolgreichen Jagdflug folgen, und nachdem er sich
Greifvogel vorsichtig genähert hat, die Beute abnehmen. Je
nach Beuteart oder Trainingszustand überlässt er dem Vogel
auch das geschlagene Tier.

Ad. Wanderfalke auf
Silbermöwe
Beizjagd mit Habichtsartigen
Die Greifvögel vom „Niederen Flug“ jagen
in der Regel von der Faust des Falkners Beutetiere an. Sie
können im deckungsreichen und offenem Gelände auf Kaninchen,
Fasane oder Hasen geflogen werden. Als Unterstützung setzt
der Falkner hier, je nach Lebensraum und Wild, nicht immer
Vorstehhunde ein, sondern oft auch Stöberhunde,. Der Habicht
wird während des Transportes und der eigentlichen Beize in
der Regel ohne Haube getragen. Auf der Beize wird der Vogel
auf dem Handschuh gehalten und kann, während der Hund Wild
sucht, alles genau beobachten. Wird nun Wild sichtbar,
verlässt er sofort den Handschuh und versucht in einem
direkten Flug, das Kaninchen oder den Fasan zu greifen, was
natürlich nicht immer gelingt.

Habichtsweib auf Kanin
Habichte, Rotschwanzbussarde,
Wüstenbussarde u. a. können aber auch im Wald eingesetzt
werden, wo sie dem Falkner und Hund von Baum zu Baum in der
so genannten „Freien Folge“ folgen. Aus der erhöhten
Position haben sie einen weiträumigen Überblick und können
so die Beutetiere besser erkennen als auf dem Handschuh des
Falkners. Insbesondere dann, wenn dichtes Unterholz oder
Brombeerranken dem Falkner und seinem Vogel durch die
niedrige Position die Sicht auf laufendes Wild unmöglich
machen, wird die "Frei Folge" eingesetzt, um auch in diesem
Gelände beizen zu können. Der Beizvogel jagt von dieser
Warte dann selbst bestimmend, wie ein Wildvogel, seine
Beute.
Während Falken ihre Beute mit den Füßen
("Händen") nur festhalten und durch einen Genickbiss töten,
halten und töten die Vögel vom Niederen Flug ihre Beute mit
den Füßen bzw. Krallen, die wie "Dolche" das "geschlagene"
Wild töten.
Juv. weibl. Harris Hawk auf Kanin
Darüber hinaus kann man mit dem Habicht
auch Kaninchen frettiert. Denn Habichte lernen sehr schnell
den Zusammenhang zwischen Frettchen, "die unter der Erde
verschwinden", und den zu erwartenden Kaninchen. Wie ein
Wildvogel auf den Ansitzjagd warten sie dann geduldig auf
dem Handschuh des Falkners, bis ein Kaninchen den Bau
verlässt.

Rotschwanzbussard auf Kanin
Die lokal zurückgehenden Wildbestände,
insbesondere der Kaninchen und Rebhühner, haben zu
alternativen Beizwildarten für den Habicht geführt. Während
traditionell nur mit Falken Krähen und Möwen gebeizt wurden,
werden sie heute auch mit dem Habicht gejagt. Diese Jagdart
bleibt zwar oft nur "Spezialisten" unter den Falknern
vorbehalten, doch sie ist eine echte Alternative, da
Revierinhaber gerne eine Erlaubnis auf diese Art geben.
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