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Beizjagd und deren Voraussetzungen

 

Voraussetzungen

Die Beize bzw. Beizjagd ist wie das Angeln oder die Jagd mit der Waffe eine vom Menschen ausgeübte Tätigkeit Wildtiere zu erbeuten. Doch sie unterscheidet sich wesentlich von den letztgenannten Jagdarten, da sie als Hilfsmittel nicht unbelebte Gegenstände, wie die Angelrute oder das Gewehr,  sondern ein lebendes Tier und zwar einen Greifvogel einsetzt, um die körperliche Begrenztheit des Menschen auf der Jagd zu verbessern.

 Vergleichbar ist die Beizjagd von der Idee her nur mit der früher in Indien durchgeführten Gazellenjagd mit abgerichteten Geparden oder mit der Fischerei in einigen Gebieten Ostasiens, wo heute noch Kormorane oder Fischotter eingesetzt werden, um Fische zu fangen.

 Die Beizjagd verlangt deshalb mehr als einen gesicherten Gewehrschrank oder eine feste Halterung, in dem die „Hilfsgeräte“ für die Jagd aufbewahrt werden können. Zur Ausübung der Beize müssen deshalb ganz spezielle Rahmenbedingungen gegeben sein, die in der heutigen arbeitsteiligen Gesellschaft oft nur schwer zu erreichen sind.


Bretonen und Anwartefalken bei der Jagd

Zu diesen Bedingungen zählen:

  1. Der Falkner muss die Jäger- und Falknerprüfung bestanden haben.

  2. Der Beizvogel muss verhalternsgerecht in einer Voliere oder an einer Flugdrahtanlage gehalten werden können.

  3. Der Beizvogel muss mit optimaler Nahrung täglich versorgt werden (frisches Fleisch von Tauben, Wachteln, Kaninchen, Mäusen, Ratten etc.).

  4. Der Falkner muss die Möglichkeit haben, während der Beizsaison den Vogel regelmäßig (drei bis viermal pro Woche) an Wild zu bringen.

Daraus folgt,

  1. dass der Falkner mehrere Stunden pro Tag für die Beizjagd pro Saison aufbringen muss und

  2. dass der Falkner entweder ein eigenes Jagdrevier oder einen Begehungsschein besitzt, der es ihm ermöglicht, den Vogel regelmäßig jagdlich einsetzen zu können. Ein tägliches nur "Fliegenlassen" hat nichts mit Falknerei zu tun und kann den Greifvogel als Beizvogel sogar "verderben", da dieser lieber auf die Nahrung wartet, die ihm bei diesen Übungen auf dem Handschuh oder Federspiel angeboten wird, als sie selbst durch anstrengende Jagdflüge zu erreichen.  

  3. Unabhängig von all diesen Punkten ist zu bedenken, dass es sich bei einem Greifvogel um ein sensibles Wildtier handelt, das sehr hohe Ansprüche an eine verhaltensgerechte Haltung stellt. Für den Falkner bedeutet dies, dass er und kein anderer, sobald er eine derartige Kreatur in seine Obhut nimmt, für ihr Wohlergehen verantwortlich ist.

 Nur wenn all diese Bedingungen erfüllt sind, kann letztlich die Beizjagd ausgeübt werden  ( "Wie werde ich Falkner").

 

Beizjagd

1. Beizvögel

In der modernen Falknerei werden in Deutschland in der Regel folgende Arten als Beizvögel eingesetzt:

 Habichtsartige (Accipitridae): Steinadler (Aquila chrysaetus), Habichtsadler (Hieraaetus fasciatus), Habicht (Accipiter gentilis), Wüstenbussard (Parabuteo unicinctus) und Rotschwanzbussard (Buteo jamaicensis). Falkenartige (Falconidae): Wanderfalke (Falco peregrinus), Würgfalke (Falco cherrug), Gerfalke (Falco rusticolus) und Lannerfalke (Falco biarmicus). Darüber hinaus gibt es noch andere Gattungen / Arten, die ausnahmsweise eingesetzt werden, die aber in der modernen Falknerei eine untergeordnete Rolle spielen. Da alle Arten ganz spezielle körperliche und mentale Anpassungen an ihren Beuteerwerb aufweisen, werden sie in der Regel entsprechend auch auf die Tierarten eingesetzt, die ihrem angeborenen Beuteschema entsprechen.


Beizhabicht auf der Faus

 

 Welchen Beizvogel man als Falkner aufstellt und dann einsetzt hängt 1. davon ab, welche Wildarten ausreichend zur Verfügung stehen / en und 2. wie die Landschaft strukturiert ist, um erfolgreich beizen zu können; denn Habicht, Rotschwanzbussard, Steinadler und Harris Hawk können in der Regel im deckungsreichen Gelände, Falken normaler Weise in Deutschland nur in der offenen Kulturlandschaft eingesetzt werden, wobei einige Arten auch unter ganz speziellen Bedingungen in "allen" Lebensräumen erfolgreich sein können.

 

 2. Beizarten

Beizjagd mit Falken

Beizjagd ist, wie eingangs erwähnt, die Jagd mit abgerichteten Greifvögel auf frei lebendes Wild. Dabei wird unterschieden zwischen den Beizvögeln vom „Hohen Flug“ (das sind alle Falken, die nur "hoch" in der Luft jagen) und den Vögeln vom „Niederen Flug“ (das sind alle Habichtsartigen, die "niedrig" in Bodennähe jagen). Ferner werden nach dem Beizeinsatz die Greifvögel vom „Hohen Flug“ noch einmal unterteilt in „Anwarterfalken“ und „Faustfalken“. Alle Falken tragen, wenn sie zur Beize eingesetzt werden, während des Transportes, bis zum eigentlichen Jagdflug, in der Regel eine Lederhaube, die ihn ruhig und damit stressfrei hält.

 „Anwarter“ werden auf Fasane, Rebhühner und Enten eingesetzt. Zum Finden dieser Wildarten benötigt man Vorstehhunde (z. B. Spezialisten wie English Setter, English Pointer, aber auch Vollgebrauchshunde sind einsetzbar), die durch regungsloses Stehen ("Vorstehen" ) das Wild anzeigen. Nachdem der Vorstehhund auf der Jagd das Wild nun gefunden und durch Vorstehen angezeigt hat, wird dem Falken, der bisher verkappt auf der Faust getragen wurde, die Haube vom Kopf genommen. Nach kurzer Orientierung wird er abfliegen ("abstreichen") und in Höhen bis zu 150 Meter und mehr steigen, wo er dann hoch am Himmel über dem Falkner und Hund kreisend darauf wartet, "anwartet", dass ihm das Wild (in der Regel Fasane oder Rebhühner) vom Falkner, in Zusammenarbeit mit dem Jagdhund, hoch gemacht, „gehoben“,  wird. Der Falke wird, sobald er das fliegende Wild sieht, in einem „Steilstoß“, bei dem Wanderfalken bis zu 200 km/h und mehr erreichen können, das Beutetier verfolgen und nach Möglichkeit greifen, fangen. Nicht selten entkommt die Beute aber durch geschicktes Ausweichen oder Erreichen einer schützenden Deckung.


Wanderfalke schlägt Fasan

 „Faustfalken“ dagegen jagen nach dem Entkappen ihre Beutetiere (Elstern, Rabenkrähen, Lach- und Silbermöwen) direkt vom Handschuh des Falkners. Für diese Beizart sucht der Falkner feldernde Krähen- oder Möwenschwärme und lässt den Falken frei, nachdem er ihm die Haube abgenommen und das Wild quasi gezeigt hat. Je nach Situation "wirft" er auch den Falken, um ihn zu direktem Anflug zu animieren. Die Falken versuchen dann die sofort vor ihm fliehenden Krähen oder Möwen zu übersteigen und durch Steilstöße in der Luft zu greifen.


Juv. Wanderfalke auf Rabenkrähe

Oft sind mehreren Angriffe nötig, um letztlich erfolgt zu haben, wenn die Beutetiere nicht vorher eine schützende Hecke (Krähen) oder ein Gewässer (Möwen) erreicht haben. Falken töten ihre Beutetiere durch einen gezielten "Nackenbiss", wodurch die Halswirbel durchtrennt werden und der Tod des Beutetieres sofort eintrifft. Greifvögel apportieren ihre Beute nicht, sondern der Falkner muss seinem Vogel nach einem erfolgreichen Jagdflug folgen, und nachdem er sich Greifvogel vorsichtig genähert hat, die Beute abnehmen. Je nach Beuteart oder Trainingszustand überlässt er dem Vogel auch das geschlagene Tier.


Ad. Wanderfalke auf Silbermöwe

 Beizjagd mit Habichtsartigen

Die Greifvögel vom „Niederen Flug“ jagen in der Regel von der Faust des Falkners Beutetiere an. Sie können im deckungsreichen und offenem Gelände auf Kaninchen, Fasane oder Hasen geflogen werden. Als Unterstützung setzt der Falkner hier, je nach Lebensraum und Wild, nicht immer Vorstehhunde ein, sondern oft auch Stöberhunde,. Der Habicht wird während des Transportes und der eigentlichen Beize in der Regel ohne Haube getragen. Auf der Beize wird der Vogel auf dem Handschuh gehalten und kann, während der Hund Wild sucht, alles genau beobachten. Wird nun Wild sichtbar, verlässt er sofort den Handschuh und versucht in einem direkten Flug, das Kaninchen oder den Fasan zu greifen, was natürlich nicht immer gelingt.

 
Habichtsweib auf Kanin

 Habichte, Rotschwanzbussarde, Wüstenbussarde u. a. können aber auch im Wald eingesetzt werden, wo sie dem Falkner und Hund von Baum zu Baum in der so genannten „Freien Folge“ folgen. Aus der erhöhten Position haben sie einen weiträumigen Überblick und können so die Beutetiere besser erkennen als auf dem Handschuh des Falkners. Insbesondere dann, wenn dichtes Unterholz oder Brombeerranken dem Falkner und seinem Vogel durch die niedrige Position die Sicht auf laufendes Wild unmöglich machen, wird die "Frei Folge" eingesetzt, um auch in diesem Gelände beizen zu können. Der Beizvogel jagt von dieser Warte dann selbst bestimmend, wie ein Wildvogel, seine Beute.

 Während Falken ihre Beute mit den Füßen ("Händen") nur festhalten und durch einen Genickbiss töten, halten und töten die Vögel vom Niederen Flug ihre Beute mit den Füßen bzw. Krallen, die wie "Dolche" das "geschlagene" Wild töten.


Juv. weibl. Harris Hawk auf Kanin

Darüber hinaus kann man mit dem Habicht auch Kaninchen frettiert. Denn Habichte lernen sehr schnell den Zusammenhang zwischen Frettchen, "die unter der Erde verschwinden", und den zu erwartenden Kaninchen. Wie ein Wildvogel auf den Ansitzjagd warten sie dann geduldig auf dem Handschuh des Falkners, bis ein Kaninchen den Bau verlässt.


Rotschwanzbussard auf Kanin

 Die lokal zurückgehenden Wildbestände, insbesondere der Kaninchen und Rebhühner, haben zu alternativen Beizwildarten für den Habicht geführt. Während traditionell nur mit Falken Krähen und Möwen gebeizt wurden, werden sie heute auch mit dem Habicht gejagt. Diese Jagdart bleibt zwar oft nur "Spezialisten" unter den Falknern vorbehalten, doch sie ist eine echte Alternative, da Revierinhaber gerne eine Erlaubnis auf diese Art geben.



 

 

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